Im Gedenken an Mutter Basilea

Im Gedenken an Mutter Basilea
1904–2001

Gedächtnisgottesdienst am 28. Juli 2001
in der Jesu-Ruf-Kapelle
 Wie es schon bei Mutter Martyria war, fand auch die Beisetzung Mutter Basileas im engen Kreis unserer geistlichen Familie statt. Der Einladung zum Gedächtnisgottesdienst am 28. Juli sind dann viele gefolgt – nicht zuletzt auch Schwestern aus unseren entferntesten Niederlassungen, Australien, Japan, Südamerika. In großer Dankbarkeit können wir nun auf diesen Tag zurückblicken.
 

Von der Hitze ließen sich die wenigsten abhalten, fast 900 Freunde fanden sich ein und bildeten eine liebende, tragende, betende Gemeinschaft um uns alle. Aus Gnaden war der Herr mit Seiner Gegenwart mitten unter uns und bestimmte die Atmosphäre durch Seine Liebe, Seinen Frieden und Seine Freude. 

 „Bitte redet nicht von mir. Es geht doch darum, daß Jesus viel Anbetung bekommt und alle tiefer von Ihm erfaßt werden." So hatte Mutter Basilea im Blick auf ihre Beerdigung ausdrücklich gebeten. Dieser Bitte suchte Bischof em. Ulrich Wilckens mit seiner Predigt zu entsprechen, die ein einziges Werben zur Ganzhingabe an unseren Herrn wurde – und für uns Schwestern und Brüder ein ganz persönliches Geschenk. Wir danken ihm herzlich für seine Auslegung zu Philipper 1,21 (siehe Text der Predigt von Bischof Wilckens)

Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.
Philipper 1,21

Hier einige Sätze aus einer Ansprache von Mutter Basilea zu diesem Wort:
Ich weiß noch, ehe wir hier einzogen, sollte jede Schwester ihr Lieblingswort aus der Heiligen Schrift sagen. Da nannte ich als mein Wort: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn".

„Christus ist mein Leben." Und wenn Er mein Leben ist, kann ich wirklich alles andere verlieren; ich habe ja noch, was mein Lebenselement ist. Dann kann ich verlieren, was mir größte Wünsche und Anliegen waren. Es schmerzt wohl, aber das Eigentliche verliere ich nie. Denn Jesus ist mein Leben geworden, die Quelle meiner Freude. Darum kann mich kein Schmerz, kein unerfüllter Wunsch, nichts, was mir genommen wird, bis in die Tiefe meines Herzens verzagt oder verzweifelt machen, denn Jesus, das Leben, lebt in mir.

Schwester Pista erwähnte ein Bild, das Mutter Basilea besonders geliebt hat, die Kuppel der Galla Placidia in Ravenna:
 
 Wir sehen viele, viele goldene Sterne auf blauem Grund. Je dunkler sich ein Nachthimmel über uns wölbt, um so stärker und heller ist der Glanz der Sterne.   

Mutter Basilea würde vielleicht sagen: Wenn uns die Nacht um uns und in uns bange machen will, dann ist Er, der allmächtige Herr, da. Es geht darum: durchhalten, festhalten an Seinen Verheißungen und ausharren, denn Er läßt uns nicht los. Nie wird Er das tun. Das war ihre unumstößliche Gewißheit. Er ist ein Vollender und führt ans Ziel, wenn wir uns nicht selbst von Ihm trennen. 
 Wie können wir Gott in Wahrheit danken für alles, was Er uns durch unsere geistliche Mutter geschenkt hat? Durch einen Glauben, der sich nicht beirren läßt – in der tiefen Gewißheit: Auch bei mir führt es unser Herr noch hinaus und bringt mich zur letzten Willenseinheit und damit Vereinigung mit Ihm. Und nur das kann mir die letzte und ersehnte Erfüllung meines Lebens bringen. 

 

Gott wartet auf Menschen, 
 die Ihm glaubend gehorchen, 
 in dunkelsten Nächten Seiner Liebe vertraun,  allein auf die Sterne der Verheißung schaun.

MB

Es konnte nicht anders sein, als daß dieser Tag seinen Abschluß fand in einem Himmelsfest – einem besonderen Himmelsfest. Anhand von Mutter Basileas beliebtesten Himmelsliedern wurden wir zurückgeführt an deren Ursprung. Dazu Schwester Benedicta:

Wenn wir in ihrer Biographie blättern, finden wir dort beschrieben, wie das Wort aus Philipper 3,10 in einem Leben Wirklichkeit werden kann: „Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden …"

Und Mutter Basilea sagte im März 1954, als sie das erste Kreuz-Himmelsfest mit uns feierte:
     
Das ist klar, das Kreuz endet im Sterben, und das Sterben bringt uns in den Himmel. Darum, wo ein Mensch ein Kreuz trägt, tut sich schon hier ein Spalt vom Himmel auf. Beim endgültigen Sterben erst richtig. Aber vorher tut sich jedesmal als Vorahnen ein Spalt vom Himmel auf und läßt einen Strahl hindurchscheinen in unser Leben, der mitten auf dem Kreuzweg herniederkommt.
Die große Freude auf das, was Gott bereitet hat denen, die Ihn lieben, (1.Kor 2,9) ergriff uns alle in neuer und tieferer Weise – eine Freude, der sich wohl keiner entziehen konnte. 

Anders als je vorher sangen wir das schon 1956 entstandene Lied:

Ich freu mich auf Erden auf einen Tag, 
da endlich zum Vater ich heimkehren mag,
darf ruhen in Seinen Armen.
Ich freu mich auf Erden auf einen Tag, 
da ich dann zu Jesus heimkehren mag,
in Liebe Ihm ewig vereinet.

Ich warte auf Erden von Tag zu Tag, 
daß ich bin erlöst von der Sünd, aller Plag, 
geh ein in Jerusalem droben.
Ich freu mich auf droben, ich acht nicht Leid, 
das bringt diese Erde – 's wird Herrlichkeit 
einst droben für ewige Zeiten.

 
In den vielen, vielen Kondolenzbriefen, die wir bis aus den entferntesten Ländern der Erde erhielten, begegnete uns die große Treue und Liebe unserer Freunde in einer Weise, die uns überwältigt und beschämt hat und für die wir Gott von Herzen danken. Der Heilige Geist beleuchtete auf immer neue Weise das Leben unserer Mutter, aber auch den Auftrag unseres Werkes. 
 Das Bangen war zu spüren, das jeder von uns kennt:    

Werden sie das Erbe erhalten, bewahren und darauf weiter bauen? Einmal wurde es besonders kurz und treffend ausgedrückt, und darum wollen wir dieses Wort an Sie weitergeben als Gebetsbitte für uns: „… daß Ihre Gemeinschaft weiterhin aus der Kraft der ,ersten Liebe‘ zu leben vermag".